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Alles hat seine Zeit ...

spielfeld150 ebjMit dem Ende der Saison 2025/26 endet auch meine Zeit als Team Manager des Regionalligateams der Eisbären Juniors Berlin. Die Gründe hierfür sind komplex und stehen in der Gesamtheit einer Fortführung meiner Tätigkeit konträr gegenüber.

Nach neun Jahren ist es mir unbedingt ein Bedürfnis, mich zu bedanken. Zuallererst bei "meinen Jungs", meinem Staff und dem aktuellen Trainerteam. Viele, die ich in dieser Zeit kennenlernen und betreuen, oder mit denen ich teamintern zusammenarbeiten durfte, sind mir ans Herz gewachsen und nicht einer ist vergessen. Auch die Zusammenarbeit mit den Vereinen der Landesliga Berlin und der Regionalliga Ost sowie der Umgang mit deren Offiziellen und Spielern sowie mit den SEV-, BEV- und DEB-Funktionären, allen Spieltagshelfern auf und neben dem Eis, wie den Sanitätern, Kampfgerichtlern und unseren Fanordnern war über die Jahre hervorragend. Ich hatte unzählige interessante, stets kooperative und auch freundschaftliche Begegnungen und auch auf diesen Ebenen hat mir meine Tätigkeit viel Freude bereitet.

Ich hätte mir sehr gewünscht, dass dieses Projekt unter notwendigen, veränderten Rahmenbedingungen weitergeführt wird - es ist toll, spannend und in vielerlei Hinsicht lohnenswert. Leider hat der Verein nach Erhalt meiner Entscheidung gegenteilig beschlossen und somit wird kein Seniorenteam der Eisbären Juniors in eine neue Regionalliga-Saison 2026/27 starten.

rl 113Foto: Eisbären Juniors Berlin Regionalliga

Zu meinem persönlichen Resümee:

Nicht ohne Stolz möchte ich darauf verweisen, dass dieses Projekt, neben der sportlichen Entwicklung zu einem festen Bestandteil der Regionalliga Ost, vor allem wirtschaftlich sehr erfolgreich war. Es ist nicht wirklich üblich, dass ein sich selbst tragendes Senioren-Hockeyteam trotz aller Kosten, die es verursacht, einen Überschuss erzielt. Dieses Projekt hat es aber verlässlich und Jahr für Jahr geschafft, den Gesamtverein und seine Nachwuchsaltersklassen zu unterstützen. Dafür sind vollumfänglich die Sponsoren, Spender, Mitgliedsbeitragszahler und Unterstützer des Regio-Teams seit seiner Gründung 2017 und dem Start in der Berliner Landesliga verantwortlich - tausend Dank für euren Support und eure Treue!

Rückblickend gehört leider auch die Erkenntnis dazu, dass sich in den letzten 2-3 Jahren entgegen dem wirtschaftlichen Erfolg eine sportliche Negativentwicklung abgezeichnet hat. Es ist nicht mehr gelungen, Spieler auf gutem bis sehr gutem Regionalliganiveau hinzuzugewinnen, oder sie im Team zu halten. Auch ehemalige Nachwuchsspieler aus der eigenen U20, die keine Profikarriere anstrebten, verließen zunehmend die Juniors, um sich einem anderen Verein anzuschließen. Infolgedessen hatte die Mannschaft immer öfter damit zu kämpfen, dass verbliebene Spieler aufgrund anderweitiger Verpflichtungen nur noch teilweise, einige fast gar nicht mehr zur Verfügung standen. Aus dem Stammkader wurde ein Rumpfteam, welches zunehmend nur noch durch Entsendung vereinseigener Nachwuchsspieler die Antrittsstärke zu Spielen erreichen konnte. Alle Gründe für diese Entwicklung aufzuführen, würde den Rahmen sprengen und es nur an fehlenden Mitteln festzumachen, wäre zu kurz gedacht. Man muss aber schon feststellen, dass ein Seniorenteam ohne ein verbessertes Finanzkonzept in der sich immer weiter entwickelnden Regionalliga und speziell in Berlin nicht mehr schritthalten kann und sportlich zur Konkurrenzlosigkeit verkommt.

Mit guten Worten allein lockt man keine Leistungsträger mehr in den Welli, die für das Projekt brennen und mit einem zu großen Anteil an „Halbtagsspielern“ lässt sich kein Stammkader zusammenstellen, der den Nachwuchs führt - dafür haben sich die Zeiten in den letzten Jahren zu sehr geändert. Und genau hier liegt dann wohl eine der unbequemen Wahrheiten und der entscheidende, gewachsene Zielkonflikt: Wenn ein Projekt wie dieses den Verein hauptsächlich wirtschaftlich unterstützt, andererseits aber die Mittel fehlen, das projekt-notwendige Kernteam auf entsprechendem Niveau aufzustellen, wird der sportliche Niedergang über kurz oder lang unweigerlich zum Scheitern des gesamten Projektes führen müssen.

Ausbildung kostet Geld - viel Geld und erweiterte Nachwuchsarbeit in Form eines derartigen Teams neben allen anderen Nachwuchsmannschaften von der Laufschule bis hin zur U20 muss man wirklich wollen und sich auch leisten können. Gerade in Berlins Eishockeywelt kann man die unterschiedliche Ausrichtung der jeweiligen Vereinsphilosophien sehr gut erkennen. Hinter erfolgreichen Herrenteams in unteren Ligen existiert keine komplette Nachwuchsstruktur auf höherem oder gar Leistungssportniveau und unternimmt ein Verein Anstrengungen, ernstzunehmende Ausbildung zu betreiben, dünnt sich diese spätestens in den Altersklassen über der U13 / U15 merklich aus (die hier zusätzlich einflussnehmende, sehr spezielle Situation zwischen den Berliner Vereinen möchte ich ausdrücklich nicht kommentieren). Es gibt also offensichtlich nur ein Entweder / Oder und der Grund liegt meist in den Finanzen.

Ziel war, bei den Eisbären Juniors ein langfristig funktionierendes Gesamtpaket zur erweiterten Nachwuchsausbildung aufzubauen, welches sich zwischen wirtschaftlicher Gesundheit und sportlichem Erfolg ausbalanciert. Viele, wenn nicht sogar die meisten Spieler im Endjahrgang der U17 und in der gesamten U20 haben eher nicht die Möglichkeit, erste Erfahrungen in DEL2- oder Oberligateams zu sammeln. Das Niveau in der Regionalliga Ost, gerade mit seinen Spitzenteams ist hingegen bestens geeignet, diesen wichtigen Schritt ins Senioren-Eishockey zu ermöglichen. Auf Basis eines starken Stammkaders sollte daher vereinsintern dauerhaft die nahezu optimale Chance implementiert werden, eigene "Young Guns" von dieser zusätzlichen Ausbildungsstufe profitieren zu lassen – und man war wirklich nahe dran, wie man an heutigen Spielern in der DEL, DEL2 oder Oberliga sehen kann, die während ihrer Juniorszeit auch Teil des Regio-Teams waren…Moritz Kretzschmar, Norwin Panocha, Clemens Sager und Linus Vieillard seien hier stellvertretend genannt.

Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass ein derartiges Projekt bei der vorhandenen Vereinsstruktur der Eisbären Juniors mit seiner Verbindung zu den Eisbären Berlin und dem gesamtheitlich weiten Umfeld der wirklich vielen Förderer und Unterstützer sowohl wirtschaftlich als auch sportlich so erfolgreich sein könnte, dass es zu einem Vorbild für eine breite und vielschichtige Nachwuchsausbildung wird. Welch tolle Möglichkeit das doch für junge Spieler wäre! Unter den aktuellen Rahmenbedingungen ist es aber nun wieder nur eine Vision…

Nochmals vielen Dank, alles Gute und Grüße in die kleine Eishockeywelt,

Sven Brehm

Pressemitteilung Eisbären Juniors Berlin Regionalliga